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6,5 Kilometer Teamspirit

„Wer hat Bock auf den B2Run?"

Die unvermittelte Frage in unserem internen Agentur-Chat, wer beim Firmenlauf teilnehmen möchte, schreckte einige Kollegen irritiert auf. „Also jetzt „run", so von wegen „laufen", ohne weitere Fortbewegungsmittel. Aber warum?" Andere stellten sich tot und bewegten sich erst nach Ablauf der internen Anmeldefrist wieder. Und dann gab es die Fraktion der Sportfreaks - und solche, die zu dem Zeitpunkt noch gar nicht wussten, wie viel Sportfreakigkeit durch deren Blutbahnen fließt. Circa zwei Minuten nach der Anfrage hatten sich die ersten bereits neue Laufschuhe mit aktuellster Dämpfungstechnologie, Cardio-Geräte für zu Hause oder Fitnesstracker bestellt. Sie waren bereit für das anaerobste Team-Event des Jahres: den B2Run 2019 in Hannover. Zehn Speed-Runner fanden sich zusammen, was eine spektakuläre Agentur-Teilnehmerquote von rund 30 Prozent bedeutete. An wöchentlich stattfindenden Trainingstagen durch die Eilenriede machten sie sich für das Highlight am 27. August warm - 6,5 Kilometer um den Maschsee mit Gänsehaut-Zieleinlauf in der HDI-Arena.

Das Outfit: extrem durchblutungsfördernd

Als designorientierte Agentur musste selbstverständlich ein dem Event angemessenes Outfit her. Entwickelt wurde ein Lauf-Shirt, das durch seine Mischung aus lässigem Understatement, gepaart mit einer Prise Selbstironie und einem Klecks „Pink" optisch überzeugte. Oder kurz: Sah geil aus das Ding. Allerdings entpuppte sich das designte Stöffchen am Tag des Events als das wohl multiunfunktionalste Stück in der Geschichte des Ausdauersports. Der Lernfaktor für uns B2Run-Neulinge: Während einem bei erfrischenden 30 Grad im Schatten die staubige Sonne brutalst auf die Stirnlappen brutzelt, fühlt sich ein robuster Baumwollstoff am Leib wie eine durchblutungsfördernde Kompresse an. Voll in die Hitzefalle getappt. Und zwar schon 150 Meter (gefühlt 1,50 Kilometer) nach dem Startschuss. Aber haben wir's schon erwähnt: Das Teil sah einfach geil aus und kann locker eine 40-Grad-Wäsche ab - falls man also darin bis zur Zielankunft nicht auf Schrumpelapfelgröße verdunstet sein sollte, kann das Shirt auch ein zweites Mal aufgetragen werden. 

Gottesbeistand nach fünf Kilometern

Das Prädikat „geil aussehend" hatte sich bei den LOOK//one-Laufhelden nach zwei weiteren gesprinteten Kilometern auch erledigt. Was aber nicht am verschwitzten Shirt, sondern an der teekesseldampfenden, puterroten Gesichtsmetamorphose lag. Konzentrierte, teils leere, durchaus verzweifelte Blicke spiegelten unseren inneren Überlebenskampf wider. Aber jetzt mal echt, bei aller Selbstbeherrschung: Seitenstechen (kurz nach dem Passieren der 3-Kilometer-Marke), geschmeidige Wadenkrämpfe (so ab Kilometer 4), japsende Schnappatmung (Gott, erst 5 Kilometer?) und panisch aufgequollene Augen (Gott, erst 5 Kilometer!), bei denen jeder Arzt eine Überfunktion der Schilddrüse ferndiagnostizieren würde, lassen keinen Menschen auf dieser Welt frisch aussehen! Wenn du dann nach weiteren 1000 Metern anfängst Stimmen zu hören, die den Tag verfluchen, an dem du das Laufen gelernt hast, droht akute Paranoia.

Der einsetzende Wahnsinn wurde durch eine plötzliche Erscheinung bestärkt: Ein Stadiondach erhob sich wie ein himmlischer Berg vor unseren Augen! Keine Fata Morgana, sondern ein reales Konstrukt aus tonnenschwerem Stahl – die Krone der HDI-Arena zeigte sich nach dem letzten Abbiegen in ihrer vollsten Pracht. Dieses Gefühl der Freude, nach einer langen Reise wieder nach Hause zu kommen, durchströmte die Körper. Es elektrisierte. Setzte 200 Meter vor dem Ziel noch einmal Kräfte frei. Vergessen waren der Schmerz, die dunklen Momente, die Gedanken, sich unmotiviert in den Maschsee fallen zu lassen, um sich dort von Mutantenkarpfen aussaugen zu lassen. Noch einmal Brust raus, das lässigste Lächeln aufsetzen. So tun, als ob man in den vergangenen Minuten keinen mentalen Ironman bestritten hätte, sondern die 6,5 Kilometer noch mal locker weiterlaufen könnte. Rückwärts. Dieses Einlaufen in das Stadion, den engelsgleichen Worten des Stadionsprechers zu lauschen und zu erkennen, dass die Läufer vor einem bereits in den Gehmodus übergegangen sind. Unbezahlbar. Und für das Team ein unvergesslicher Moment.

Für den nötigen Support an der Strecke und im Stadion sorgten übrigens in Bus-Korsos massenhaft angekarrte, mit Bengalos ausgestatteter Agentur-Fans. Nun gut, es können auch erst einmal nur um die fünf eingefleischte Anhänger gewesen sein, die mit dem Fahrrad da waren. Die Fanbase ist ausbaubar, Supporter muss man sich als Leistungssportler aber auch erst einmal erarbeiten. Und das geht nur über Einsatz, Erfolge und Leistungen. Arbeiten wir also weiter dran: beim nächsten B2Run.

B2RUN Hannover 2019 - in 58 Sekunden um den Maschsee

Ob ein hartnäckiger Wadenkrampf durch die Einnahme von Bananen kurz nach dem Laufen gelindert werden kann? Drei Bananen und ein kurz einsetzender Brechreiz später lautete die Antwort: nein. Die Frage, ob ein hartnäckiger Wadenkrampf gerne in Kauf genommen wird, um mit Kolleginnen und Kollegen auch mal außerhalb der Agenturräume neue Ziele zu erreichen, kann zweifllos mit einem: „ja, immer wieder gerne!" beantwortet werden. :-)