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Hat irgendjemand noch ein gutes Gewissen?

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Klimahysterie ist das Unwort des Jahres, Kevin Spacey-Filme sind praktisch indiziert, Individualverkehr ist auf dem Weg in die Exotik. Wie konnte es bloß soweit kommen?

Leben 2020. Nie war es komplizierter mit gutem Gewissen Mensch zu sein. Kaum noch ein Bereich im Leben, in dem man wie früher bedenken- und hemmungslos Spaß haben kann. Teilweise natürlich völlig berechtigt. Silvesterfeuerwerk gehört meines Erachtens sofort verboten, den Feinstaub braucht kein Mensch. Und SUVs in der Größe eines Kampfpanzers haben vielleicht auf dem Land, aber sicher nichts in der Innenstadt zu suchen.

Kultur? Gut! Oder doch nicht?

So lange ich denken kann, gehe ich gerne ins Kino und höre gerne Musik. Vor allem die Filme der Produktionsfirma »Miramax« haben für mich das amerikanische Kino revolutioniert. Von »Reservoir Dogs« bis »No Country for Old Man«. Dumm nur, dass all diese Filme von Harvey Weinstein produziert wurden, der sich in den USA gerade vor Gericht wegen sexueller Übergriffe gegenüber Frauen verantworten muss. Damit das klar ist: Der Mann ist mir alles andere als sympathisch. Und bei solchen Verbrechen kenne ich kein Pardon. Aber deshalb all diese großartigen Filme mit schlechtem Gewissen oder gar nicht mehr gucken, weil ihr Produzent ein Sexist ist? Ähnliches gilt für die Musik von Michael Jackson, immer wieder verdächtigt, allzu junge Jungs in sein Schlafzimmer gelockt zu haben. Trotzdem ist für mich »Thriller« ein Jahrhundertalbum. Da trenne ich ganz klar zwischen Werk und Künstler.

Konsum? Irgendetwas ist immer.

Selbst im täglichen Leben sind wir ständig hin- und hergerissen zwischen Gut und Böse. Natürlich ist Google mittlerweile eine Datenkrake, bietet aber nun mal die besten Internetdienste, die mein Leben erleichtern und bereichern. Da will ich nicht drauf verzichten. Selbstverständlich ist Fast Fashion nicht besonders gut für unseren Planeten, aber sie schafft wenigstens Jobs in den hintersten Winkeln der Welt und ermöglicht es Leuten sich, im Gegensatz zu den 80ern, auch mit wenig Geld fantastisch anzuziehen. Überflüssig zu sagen, dass alles möglichst umweltfreundlich produziert werden sollte, Gekauftes getragen und gewaschen werden muss, statt die Klamotten einfach wegzuwerfen. No Brand. Hate Brand. Love Brand?

Konsequente Markenführung gegen das Dilemma.

Bei unserer tagtäglichen Arbeit für institutionelle, kleine und große Marken, fragen wir uns mit unseren Auftraggebern immer, wie das, was wir zusammen tun am Ende wirkt. Welche Haltung es vermittelt. Was die Zielgruppe denkt, was sie interessiert und bewegt. Was ihnen wichtig ist. Um aus möglichst jeder Marke eine Marke zu machen, die man gerne nutzt, mit der man sich identifiziert, die man idealerweise schätzt, ja liebt. Und die ihre Kunden eben nicht an jedem Tag immer wieder mit ihrem Gewissen in Konflikt bringt. That's the Way Love Goes.

(Photo by Neonbrand on Unsplash)

 

Hand aufs Herz oder ins Feuer: Es gibt heute leider noch kaum einen Bereich im Leben, in dem man sorglos unterwegs sein kann oder in dem man gedankenlos konsumieren dürfte. Was ist noch politisch korrekt oder ökologisch einwandfrei? Wir geben Marken, die wir betreuen, das Beste mit auf den Weg zum Kunden. Ehrlich, authentisch, einwandfrei. Da haben nicht nur wir ein gutes Gewissen.